Anatomie des Placeboeffekts
03/Januar/2009/07:28 Abgelegt in:Medikamente/Psyche
In zwei Studien wurde geprüft, weIche Faktoren beim so genannten Placeboeffekt eine Rolle spielen.
In der ersten Untersuchung (1) wurden 82 Freiwillige einem experimentell induzierten Schmerz ausgesetzt. Sie wurden in zwei Gruppen randomisiert, und beide erhielten ein orales Placebo. Der einen Gruppe erklärt man, es handle sich um ein sehr billiges Medikament, während die andere Gruppe informiert wurde, dass es preislich normal sei. Das billige Placebo" milderte die experimentell induzierten Schmerzen weit weniger effektiv.
In der zweiten Untersuchung (2) wurden 262 Patienten mit Reizmagen in drei Gruppen randomisiert. Gruppe 1 blieb unbehandelt, Gruppe 2 erhielt Placeboakupunktur und Gruppe 3 erhielt ebenfalls Placeboakupunktur aber mit besonders empathischer Zuwendung seitens des Therapeuten. Die Ergebnisse waren auch hier eindeutig und beeindruckend: 28% (Gruppe 1), 44% (Gruppe 2) und 62% (Gruppe 3) der Patienten gaben symptomatische Besserungen an.
KOMMENTAR: Was wir so landläufig als Placeboeffekt bezeichnen, ist sicher kein singuläres Phänomen, sondern ein Sammelbegriff verschiedener Einzelphänomene. Unter anderem könnten die Empathie des Behandlers, die Länge der Konsultation und die Kosten der Therapie eine Rolle spielen. Es ist von großer Bedeutung, die Einzelfaktoren zu differenzieren. Wenn wir sie klar identifiziert haben, könnten wir darangehen, diese Faktoren in der täglichen Praxis zu maximieren. Interessant ist, dass solche Untersuchungen ethisch nicht unproblematisch sind. Wir hatten vor etwa zehn Jahren die Erlaubnis unserer Ethikkommission, an meinem Institut drei sehr ähnliche Studien durchzuführen. Leider fehlten uns damals die Finanzmittel. Als wir diese etwa fünf Jahre später aufgetrieben hatten, versagte uns die Ethikkommission die Erlaubnis, die Studien durchzuführen. Begründung: Es sei unethisch, Patienten nicht die volle Wahrheit zu sagen - und ohne ,Hinter-das-Licht-Führen' funktionieren solche Studien eben nicht. E. ERNST.
(1) R. l. Waber et al.
Commercial features of placebo and therapeutic efficacy. JAMA 299 (2008) 1016-1017
(2) T. J. Kaptchuk et al.
Components of placebo effect: randomised controlled trial in patients with irritable bowel syndrome. Brit. Med. J. 2008; Apr 3:doi:1O.1136/ bm j.39524-439618.25
Quelle: MMW Nr. 18 / 2008
In der zweiten Untersuchung (2) wurden 262 Patienten mit Reizmagen in drei Gruppen randomisiert. Gruppe 1 blieb unbehandelt, Gruppe 2 erhielt Placeboakupunktur und Gruppe 3 erhielt ebenfalls Placeboakupunktur aber mit besonders empathischer Zuwendung seitens des Therapeuten. Die Ergebnisse waren auch hier eindeutig und beeindruckend: 28% (Gruppe 1), 44% (Gruppe 2) und 62% (Gruppe 3) der Patienten gaben symptomatische Besserungen an.
KOMMENTAR: Was wir so landläufig als Placeboeffekt bezeichnen, ist sicher kein singuläres Phänomen, sondern ein Sammelbegriff verschiedener Einzelphänomene. Unter anderem könnten die Empathie des Behandlers, die Länge der Konsultation und die Kosten der Therapie eine Rolle spielen. Es ist von großer Bedeutung, die Einzelfaktoren zu differenzieren. Wenn wir sie klar identifiziert haben, könnten wir darangehen, diese Faktoren in der täglichen Praxis zu maximieren. Interessant ist, dass solche Untersuchungen ethisch nicht unproblematisch sind. Wir hatten vor etwa zehn Jahren die Erlaubnis unserer Ethikkommission, an meinem Institut drei sehr ähnliche Studien durchzuführen. Leider fehlten uns damals die Finanzmittel. Als wir diese etwa fünf Jahre später aufgetrieben hatten, versagte uns die Ethikkommission die Erlaubnis, die Studien durchzuführen. Begründung: Es sei unethisch, Patienten nicht die volle Wahrheit zu sagen - und ohne ,Hinter-das-Licht-Führen' funktionieren solche Studien eben nicht. E. ERNST.
(1) R. l. Waber et al.
Commercial features of placebo and therapeutic efficacy. JAMA 299 (2008) 1016-1017
(2) T. J. Kaptchuk et al.
Components of placebo effect: randomised controlled trial in patients with irritable bowel syndrome. Brit. Med. J. 2008; Apr 3:doi:1O.1136/ bm j.39524-439618.25
Quelle: MMW Nr. 18 / 2008