Morbus Crohn: Chronifizierung durch Behandlung?

Die eigentliche Ursache des Morbus Crohn ist weiterhin nicht bekannt. Im Rahmen einer Studie wurde die Entzündungsantwort auf ein akutes Trauma der Darmschleimhaut und auf Stimulation mit Entzündungsmediatoren von Patienten mit Morbus Crohn mit der einer Kontrollgruppe verglichen.
Interessanterweise führten alle Provokationen der Darmschleimhaut oder der Haut bei Patienten mit Morbus Crohn zu einer deutlich geringeren Immunantwort als bei Gesunden, so dass eine konstitutionelle Schwäche des Immunsystems bei der Entstehung dieser chronisch entzündlichen Darmerkrankung als Ursache angenommen werden kann.
Doch wenn eine solche Immunschwäche vorliegt, so muss man sich fragen, inwieweit medikamentöse Therapiestrategien wie Corticosteroide und Azathioprin, die das Immunsystem schwächen, langfristig sinnvoll sind, mit anderen Worten, ob diese Substanzen evtl. zu einer Chronifizierung der Erkrankung führen können.
Neuere Therapiestrategien mit Probiotika, die das Immunsystem stimulieren, erscheinen im Lichte dieser neuen pathophysiologischen Erkenntnisse sinnvoll, vor allem wenn es darum geht, die Remission zu erhalten bzw. ein Rezidiv zu verhindern. Dafür sprechen auch klinische Erfahrungen mit solchen Substanzen.
Quelle: MMW Nr. 3 / 2007 / (149. Jg.) P. Stiefelhagen