"Kontrolliert niemand die Schulen? Lehrerin unterrichtet drei Jahre mit Demenz"

HAMBURG - "Ich kann einfach nicht mehr", merkte die 58jährige Lehrerin und wusste auch schon die Gründe: zu große Klassen, schwierige Schüler, verfehlte Schulpolitik. Niemand ahnte, dass ihr "Burn-out" hirnorganisch bedingt war.
Eine sechswöchige Reha wegen chronischer Erschöpfung hatte sie bereits hinter sich. Danach hatte sie den Schuldienst kurz wieder aufgenommen - fühlte sich aber völlig überfordert und beantragte eine Erwerbsminderungsrente.
Ihr Gehirn trete auf Grund der belastenden Situation zunehmend in den Streik, erklärte die Pädagogin. So könne sie z.B. kaum noch an die Tafel schreiben. Ansonsten wurden kognitive Störungen verneint.
Der mit der Begutachtung beauftragte Neurologe bemerkte schon im Gespräch psychische Auffälligkeiten. So standen "Redeaufwand und inhaltlicher Ertrag in einem ungünstigen Verhältnis", wie er es formulierte. Es fiel der Patientin schwer, den roten Faden zu halten, sie wiederholte sich öfters und hörte nur schlecht zu.
Bei einem kurzen Screening-Test war die Lehrerin nicht in der Lage, zwei überlappende Fünfecke abzuzeichnen oder einen selbstgewählten Satz aufzuschreiben. Auch das Eintragen der Ziffern beim Uhrentest klappte nicht gut. Ein Gespräch mit dem Ehemann ergab, dass
bereits seit drei Jahren Probleme mit der Alltagsbewältigung bestanden. Die Haushaltsführung hatte er inzwischen übernommen. Insgesamt erfüllte die Patientin alle Kriterien einer Alzheimer-Demenz. Quelle: Medical Tribune, 42. Jahrgang, Nr. 27, 06. Juli 2007