Unter Dicken fühlen sich Dicke schlank

Wie schwer ein Mensch sich selbst einschätzt, hängt nicht allein von seinem tatsächlichen Gewicht ab. Wichtig ist auch, wie er sich gegenüber seinem sozialen Umfeld bewertet. Sind die Freunde und die soziale Gruppe, in der sie sich bewegen, eher rundlich, sehen sich die meisten Menschen nicht als übergewichtig an. Sind diese aber dünn, wachsen die Zweifel an der eigenen Figur.
Wissenschaftler der Universitäten Warwick, Dartmouth (Großbritannien) und Leuven (Belgien) analysierten die Body-Mass-Index-(BMI)-Daten von ca. 27 000 Europäern aus 29 Nationen. Dabei zeigte sich, dass sich etwa jede zweite Europäerin zu dick fühlte.
Bei den Männern hielt sich nur jeder Dritte für übergewichtig.
Mit dem Bildungsgrad stieg die Vorstellung, nicht dünn genug zu sein. Die Akademiker hielten sich in jeder BMI-Klasse für dicker als die weniger Gebildeten. Die Männer waren mit sich selbst im Vergleich zur Umgebung zufriedener als die Frauen.
Für die Frauen war der Vergleich wichtiger. Sie verglichen sich nicht nur stärker mit anderen Frauen ihres Alters und ihrer Heimat. Sie fühlten sich auch extrem unzufrieden, wenn sie sich in diesem Spektrum als zu dick empfanden.

KOMMENTAR: Die Studie zeigt, wie stark wir uns bei der Bewertung der eigenen Figur von Freunden und sozialem Umfeld beeinflussen und täuschen lassen. Denn die Fakten sind: Wer von dickeren Freunden umgeben ist, fühlt sich selbst relativ schlank. In Gesellschaft der Dicken wird seltener ans Abnehmen gedacht. Auch ein geringer Bildungsgrad sorgt für Zufriedenheit mit der eigenen Figur. Die Botschaft der Studie ist: Das Übergewicht in der Gesellschaft ist nicht nur physiologisch durch eine bessere Ernährung und Sport anzugehen. Auch die soziale Dimension des Problems muss stärker berücksichtigt werden.

K. MALBERG

• A. J. Oswald et al.
(Department of Economics, University of Warwiek, Coventry CV4 7AL. UK; E-mail: andrew. oswald @warwick.ac.uk) Imitative obesity and relative utility. Abstract des NBER Summer Institute on Health Economics, Juli 2008 Quelle: MMW Nr. 32-35/2008


Kommentar: Ihre Großhirnrinde nutzend können Sie gesund werden oder auch krank bleiben. Ausschlaggebend ist immer, wie Sie Ihre Situation bewerten. Die erste Voraussetzung, um eine Veränderung zu bewirken, ist die Erkenntnis "Ich habe ein Problem".