Gefahr für die Lunge kommt aus der Wand

Aus Farben und Möbeln ausgasende Chemikalien können schon relativ geringer Konzentration Lungenzellen angreifen. Das haben Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig nachgewiesen. Auch bei Konzentrationen unterhalb akut-toxischer Werte zeigen sich deutliche Veränderungen in den Zellen.

Wie die Forscher um Dr. Martin von Bergen im „Journal of Proteom research“ schreiben, setzten sie die Zellen über 24 h Luft aus, in der die Lösungsmittel Chlorbenzol und Dichlorbenzol in geringer Konzentration enthalten waren. Bei den anschließenden Untersuchungen zeigten die Zellen deutlich Zeichen von oxidativem Stress. Erkennbar sei das daran gewesen, dass die Zellen in zunehmender Menge Proteine produziert hätten, die dazu geeignet sind ein schädliches Überangebot von reaktiven Sauerstoffverbindungen zu bekämpfen. Ebenfalls wurde eine gesteigerte Apoptoserate ( Apoptose = Zelluntergang) der geschädigten Zellen registriert.
Bereits bekannt ist, dass das unreife Immunsystem von Neugeborenen und Kleinkindern durch den Kontakt mit Umweltschadstoffen, wie zum Beispiel flüchtigen organischen Verbindungen, prägend beeinflusst werden kann. Außerdem lösen diese Chemikalien bei Kindern Entzündungen der Atemwege aus.
„Grundsätzlich hat die Frage nach der Belastung in Innenräumen an Bedeutung gewonnen, da wir immer mehr Zeit in diesen zubringen“, so von Bergen. Um den steigenden Anforderungen der Energieeffizienz zu genügen, wird ein Minimum an Luftaustausch gefordert, was wiederum in einer generellen Forderung nach einem Minimum an Emissionen von flüchtigen Chemikalien münden sollte. „Denn unsere Studien zeigen dass die behandelten Zellen eine eindeutig stressbedingte Reaktion zeigten - auch wenn mit den bisher üblichen Tests keine Toxizität gezeigt werden konnte“.

Quelle: Der Privatarzt Ausgabe 4 - April 2011