Für mehr Geld gibt's nicht mehr Gesundheit!


Obwohl die USA pro Kopf mehr als doppelt so viel Geld für das Gesundheitswesen aufwenden als Großbritannien, ist der Gesundheitszustand der Bevölkerung eher schlechter.


Angepasst an die Kaufkraft wendet man in den USA pro Kopf der Bevölkerung 5274 US-Dollar/Jahr für die medizinische Versorgung auf. Im ärmeren Großbritannien sind es dagegen nur 2164 US-Dollar. Ein naives Gemüt könnte nun meinen, höhere Ausgaben für die medizinische Versorgung würden sich in einem besseren Gesundheitszustand der Bevölkerung niederschlagen.
Die Daten zweier großer repräsentativer Populationsstudien der Bevölkerung in beiden Ländern mit Teilnehmerzahlen zwischen 3700 und 4400 Personen zwischen 55 und 64 Jahren aus den Jahren 1999 und 2002 (USA) bzw. 2003 (UK) belegen diese Annahme aber nicht. Neben dem selbst berichteten Gesundheitszustand anhand eines Fragebogens wurden einfache Laborparameter als Suchtest für Erkrankungen wie CRP, HDL-Cholesterin oder Blutzucker erfasst.
Hinsichtlich der Krankheiten Diabetes, Hypertonie, Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt, Schlaganfall, COPD (chronische obstruktive Lungenerkrankung/ Bronchitis mit Asthma) und Krebs ist die US-amerikanische Bevölkerung im Durchschnitt weniger gesund als der durchschnittliche Brite. Wie zu erwarten, ergab sich in beiden Ländern eine negative Assoziation zwischen Gesundheitszustand und und sozioökonomischem Status. Auch wenn man die Daten für einschlägige Risiken wie Rauchen, Übergewicht und Alkoholkonsum korrigiert, blieb das Bild bestehen. So ist z.B. die Diabetesprävalenz bei den 55- bis 64-jährigen in den USA doppelt so hoch wie in Großbritannien. Die durchschnittlichen CRP-Konzentrationen (Entzündungsparameter, "C-reaktives Protein") sind um 20% höher, das mittlere HDL-Cholesterin (das "gute" Cholesterin) um 40% niedriger. Obwohl die Einkommensunterschiede in den USA zwischen den Reichsten und den Ärmsten wesentlich höher sind als in Großbritannien, wirkt sich dieser Unterschied nicht dramatisch auf den Gesundheitszustand der untersten sozialen Schicht aus. Dennoch kann man verkürzt sagen, dass die Amerikaner trotz doppelt so hoher Gesundheitsausgaben im Durchschnitt weniger gesund sind als die Engländer.
Kommentar: Die Untersuchung belegt, was in professionellen Medizinerkreisen gerne vergessen wird: Die eigentliche Medizin trägt nur einen relativ geringen Anteil zum Gesundheitszustand der Bevölkerung bei. Im täglichen Gefeilsche um Anteile aus dem großen Kuchen des Gesundheitssystems geben solche Daten doch zu denken.
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