Und an allem, allen Krankheiten sind die Gene schuld?

"Die meisten Patienten sind ebenso wie ihre Ärzte in ihrem Denken und Handeln von der gegenwärtigen Diskussion über die Macht der Gene beeinflusst. Seit die wissenschaftliche Welt die Entschlüsselung des Genoms als den entscheidenden Schritt zur Entzauberung des Menschen feierte und die Freigabe weit reichender Experimente forderte und in vielen Ländern auch schon durchsetzte, hat sich ein Irrglaube verbreitet, der den Blick auf die eigenen Möglichkeiten verschleiert.
Die Gene erscheinen als unbeeinflussbares Erbgut des Menschen, als gleichsam Gestalt gewordenes Schicksal, das in der DNS ruht und von dort aus über alle Dinge entscheidet, die den Menschen ausmachen, die letztlich sein Handeln und, über die Gestaltung des Gehirns, auch sein Denken bestimmen. Vor allem aber, so glauben die meisten, entscheiden viele der 35 000 Gene, die im Menschen identifiziert wurden, unbeeinflussbar über Gesundheit und Krankheit. Immer wieder verkünden Forscher neue Erfolge, die Hoffnung auf ein längeres Leben machen: das Gen dieser oder jener Krankheit sei entdeckt, bald könne man (wenn der Gesetzgeber nur die entsprechenden Klon-Experimente genehmige) die größten Geisseln der Menschheit auf einfachem Wege und vor allem dauerhaft besiegen. (...)
Die meisten Gene sind nämlich keineswegs unbeeinflussbare Grössen, sondern werden durch vielfältige Signale aus dem Körper, aber auch von außerhalb, also durch bewusste wie unbewusste Wahrnehmungen des Menschen gesteuert. Tatsächlich ist es so, dass sich die meisten wie Programme verhalten, die so lange ruhen, bis sie aufgerufen werden, oder umgekehrt, wie Programme, die so lange laufen, bis sie gestoppt und vielleicht durch andere ersetzt werden."
Quelle: Joachim Faulstich, "Das heilende Bewusstsein", Knaur