"Bei KHK-Patienten sind Vorsichtsmaßnahmen angebracht"
28/März/2008/08:49 Abgelegt in:Herz
MMW: Wie lässt sich der Zusammenhang zwischen emotionalem Stress und Herzerkrankungen erklären?
Steinbeck: In einer Stresssituation werden vermehrt Adrenalin aus der Nebenniere und Corticotropin-Releasing Hormone ausgeschüttet, das zur Freisetzung von Cortisol führt. Wir müssen annehmen, dass es diese Stresshormone sind, die am Herzen eine Durchblutungsstörung und Herzrhythmusstörungen auslösen.
Steinbeck: In einer Stresssituation werden vermehrt Adrenalin aus der Nebenniere und Corticotropin-Releasing Hormone ausgeschüttet, das zur Freisetzung von Cortisol führt. Wir müssen annehmen, dass es diese Stresshormone sind, die am Herzen eine Durchblutungsstörung und Herzrhythmusstörungen auslösen.
MMW: Welche Konsequenzen ziehen Sie aus der Studie?
Steinbeck: Die Steigerung der Ereignisrate bei KHK-Patienten ist so groß, dass ich durchaus gewisse Vorsichtsmaßnahmen für angebracht halte. Vor solchen Ereignissen (Fußball-WM) ist es sinnvoll, bei Patienten mit kardialem Risiko eine einfache nicht invasive kardiologische Untersuchung durchzuführen, inkl. Belastungs-EKG. Es scheint logisch, hier alle Patienten mit kardiovaskulärem Risiko einzuschließen, z. B. Hypertoniker und Diabetiker, auch wenn wir nur Patienten mit koronarer Herzerkrankung untersucht haben. Selbstverständlich ist darauf zu achten, dass die Patienten medikamentös gut eingestellt sind und die Tabletten regelmäßig nehmen.
MMW: Im Sommer 2008 ist Fußball-EM. Würden Sie gefährdeten Patienten vorsorglich Notfallmedikamente verordnen?
Steinbeck: Natürlich könnte man sich überlegen, in Zukunft medikamentöse Akutstrategien anzuwenden. Aber dazu gibt es keinerlei Untersuchungen. Auch für den vorsorglichen Einsatz eines Defibrillators gibt es keine Grundlage.
MMW: Was empfehlen Sie Ihren Patienten, um das kardiale Risiko beim Fußballschauen zu reduzieren?
Steinbeck: Patienten, die kardiale Erkrankungen aufweisen, sollten ihre Medikamente regelmäßig einnehmen, und Begleitumstände, die das Risiko weiter steigern, wie übermäßigen Alkoholkonsum, unmäßiges Essen, Schlafmangel vermeiden. Wenn die typischen Symptome, z. B. Brustschmerzen, auftreten, sollten sie umgehend einen Arzt konsultieren. Angina-Pectoris-Patienten sollten ein Nitrospray und Aspirin zuverlässig mit sich führen.
• Interview: Dr. Judith Neumaier, MMW und Prof. Dr. Gerhard Steinbeck, Universität München, Quelle: MMW Nr.7/2008