Arbeits-Stress geht ans Herz - Cortisol-Schwankungen schuld

Menschen, die sich an ihrem Arbeitsplatz überlastet fühlen, tragen ein erhöhtes Risiko der koronaren Herzkrankheit. Welcher Mechanismus dahinter steckt, haben englische Wissenschaftler nun geklärt.

Der Griff zur Zigarette unter Stress, das Glas Wein zur Entspannung nach der Arbeit, Abschalten vorm Fernsehprogramm statt Freizeitsport - das sind typische Strategien, mit denen Arbeitnehmer Überlastung am Arbeitsplatz kompensieren. Ob die Häufung von Risikofaktoren die Hauptschuld an der erhöhten KHK-Inzidenz bei diesen Menschen trägt oder ob es die neuroendokrinen (Gehirn-Hormon-) Mechanismen sind, die Stress in Gang setzt, untersuchten Wissenschaftler um Tarani Chandola, London.

Basis waren die Daten der Whitehall-II-Studie von insgesamt 10308 Londoner Beamten und Beamtinnen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren. Die Studie dokumentiert Gesundheitsstatus und Arbeitsbelastung der Staatsdiener über einen Zeitraum von fast 20 Jahren. Die Resultate beruhen auf regelmäßigen klinischen Untersuchungen, der Messung der morgendlichen Cortisol-Ausschüttung als Marker der neuroendokrinologischen Response (Antwort) auf Stress und auf den Selbsteinschätzungen bezüglich der Arbeitsbelastung.

Ergebnisse: Je mehr sich die Befragten belastet fühlten, desto größer war ihr KHK (Koronare Herzerkrankung) -Risiko. Dies gilt insbesondere auch für Herztod, Myokardinfarkt und Angina pectoris. Vermehrter Stress wirkte sich auch auf das Gesundheitsverhalten, sprich ungesunde Ernährung und Bewegungsarmut, aus. Diese Risikofaktoren spielen aber nur bei etwa 32% der berichteten KHK-Ereignisse eine kausale Rolle. Hauptursache der KHK (koronare Herzerkrankung = "Herzkranzgefäßverkalkung" z.B.) ist demnach die stressbedingte Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen(=GEHIRN)-Nebennierenrinden(=KÖRPER)-Achse, die wiederum zu Störungen der zirkadianen Cortisol-Ausschüttung führt.

Einen Zusammenhang zwischen Stress und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Autoren vor allem für jüngere Arbeitnehmer im Alter unter 50 Jahren nachweisen. Ältere scheinen demnach berufliche Belastung gelassener zu nehmen. (cw)

Chandola T et al.: Work stress and coronary heart disease: what are the mechanisms? doi: 1 0.1 093/eu rheartj/ehm584 , Quelle: Arzt&Prävention - 4/5/2008