Blind vor "Liebe"
21/April/2008/06:57 Abgelegt in:Psyche
LOS ANGELES - Schlimmer geht's immer, aber entledigt man sich mal des Schleiers der Verliebtheit, gibt es charmantere und attraktivere Männer als "Ekel Alfred", auch im Mikrokosmos der "dusseligen Kuh" Else. Tatsächlich: Liebe macht blind und immun gegenüber sexuellen Reizen anderer. Das hat ein US-Psychologenteam um Gian Ganzaga von der University of California in Los Angeles herausgefunden. Für den Liebestest zogen die Forscher 60 liierte Probanden heran, denen sie ein Bild einer attraktiven Person zeigten Daraufhin sollten die Probanden beschreiben, was genau sie an dem Bild angezogen hat, und sich ein erstes Treffen ausmalen.
Aufgeteilt in drei Gruppen schrieb die erste einen Text über die Phase, in der die Liebe zum Partner am stärksten gewesen war, und einen zweiten darüber, wann sie das letzte Mal so empfunden hatten. Die zweite bekam die gleiche AufgabensteIlung, allerdings auf sexuelle Begehrlichkeiten beschränkt. Die Kontrollgruppe schrieb ohne Vorgaben drauflos. Alle Versuchsteilnehmer sollten beim ersten Text vermeiden, an die Person auf dem Foto zu denken, während sie beim zweiten Aufsatz ausdrücklich dazu aufgefordert wurden. Jedes Mal, wenn die Gedanken zu der Fotoperson wanderten, sollte ein Häkchen gemacht werden. Das überraschende Ergebnis: Wer seine romantischen Gefühle fast ausschließlich auf den eigenen Partner konzentriert, erinnert sich nur verschwommen an einen kurz zuvor gesehenen attraktiven Menschen. Würden aber erotisch lustvolle Momente mit dem Partner rekapituliert, sei der attraktive Unbekannte nicht so leicht aus dem Gedächtnis zu wischen, schreiben die Forscher im NEW SCIENTIST. Liebe sei also nur ein Mittel, dass Bindungen stabilisiere, und diene damit einem ganz anderen Zweck als Lust, schließt Ganzaga aus den Untersuchungen. Quelle: Der Kassenarzt Nr.6 April 2008