Mozart auf der Intensivstation

Dass Musik bei psychischen Störungen und auch bei Patienten mit einem apallischen Syndrom positive Effekte entfaltet, ist heute unbestritten. Nach einer neueren Studie profitieren jedoch auch Patienten auf der Intensivstation von dem "Mozarteffekt".


Bei zehn postoperativen, maschinell beatmeten Patienten wurde randomisiert eine Musiktherapie durchgeführt. Sie erhielten am ersten postoperativen Tag genau 15 Minuten nach Beendigung der Sedierung über eine Stunde Mozartmusik, genauer gesagt acht langsame Sätze aus Mozarts Klaviersonaten vorgespielt.

Dabei wurden eine Reihe von klinischen und laborchemischen Parametern evaluiert: Herzfrequenz, Blutdruck, Sedierungstiefe, EEG, Serumkonzentrationen von Somatotropin, Adrenalin, Noradrenalin, DHEA, ACTH, Kortisol, Interleukin-6 und Prolaktin. Bei Patienten mit Mozartmusik im Kopfhörer waren die Herzfrequenz und der Blutdruck signifikant niedriger als bei Patienten, die einen Kopfhörer ohne Musik erhielten. Gleiches galt für den Sedierungsbedarf. Laborchemisch fand sich in der Verumgruppe ein Anstieg von Somatotropin und DHEA und ein Abfall von Adrenalin und Interleukin-6.

KOMMENTAR: Die Daten sprechen dafür, dass durch eine beruhigende Musik die Stressreaktion bei intensivmedizinischen Patienten abgeschwächt werden kann. Die Erklärung dafür lautet: Das akustische Erlebnis beeinflusst die Stressachse Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenrinde günstig. Ob eine solche "Ouvertüre für das Wachstumshormon" verbunden mit einem "Requiem für Interleukin-6" auch die Prognose solcher Patienten günstig beeinflusst, bleibt dahingestellt. Doch was spricht eigentlich dagegen, dieses mit wenig Aufwand verbundene Therapieprinzip bereits jetzt zu nutzen, auch wenn noch keine Studienergebnisse mit harten Endpunkten vorliegen? Musik ist ein billiges, sicheres und nebenwirkungsfreies Therapieprinzip. Die Kosten für den Kopfhörer dürften trotz knapper Budgets noch aufzubringen sein.
P.Stiefelhagen C. Conrad et al. Overture for growth hormone: Requiem for interleukin-6? Crt. Care Med. 35 (2007) 2709-2713, Quelle: MMW Nr. 13/2008