Nocebo - Die gefährliche Wirkung der Erwartung
24/Februar/2008/07:51 Abgelegt in:Medikamente
Schon ein Blick auf den Beipackzettel reicht, unerwünschte Wirkungen auszulösen / Auch gestörtes Arzt-Patienten-Verhältnis kann Ursache sein
VON SABINE FISCH
Wenn der Patient ein spezifisches negatives Ereignis erwartet, tritt dieses auch ein - das ist die Theorie hinter dem Nocebo-Effekt. Besonders häufig wird dieses Phänomen bei Arzneimitteln nach dem Lesen des Beipackzettels beobachtet.
1948 publizierte der Psychiater Erich Menninger von Lerchenthal diese Geschichte: Studenten der Medizin in Wien drohten einem verhassten Assistenten, ihn zu köpfen. Sie fesselten ihn, verbanden ihm die Augen, platzierten seinen Kopf auf einem Hackklotz. Dann simulierten sie die Exekution, indem sie ihm ein kaltes, nasses Tuch in den Nacken warfen. Der Mann starb auf der Stelle!
VON SABINE FISCH
Wenn der Patient ein spezifisches negatives Ereignis erwartet, tritt dieses auch ein - das ist die Theorie hinter dem Nocebo-Effekt. Besonders häufig wird dieses Phänomen bei Arzneimitteln nach dem Lesen des Beipackzettels beobachtet.
1948 publizierte der Psychiater Erich Menninger von Lerchenthal diese Geschichte: Studenten der Medizin in Wien drohten einem verhassten Assistenten, ihn zu köpfen. Sie fesselten ihn, verbanden ihm die Augen, platzierten seinen Kopf auf einem Hackklotz. Dann simulierten sie die Exekution, indem sie ihm ein kaltes, nasses Tuch in den Nacken warfen. Der Mann starb auf der Stelle!
Die Kraft der Einbildung hatte in Kombination mit einem schwachen Herzen wohl zum Ende dieses bedauernswerten Menschen geführt. Doch auch unter weniger extremen Bedingungen kann der Nocebo-Effekt gefährlich sein:
In einer Studie aus dem Jahr 1992 kam heraus, dass Frauen, die glaubten, sie würden eher als andere einen Herzinfarkt bekommen, 3,7- mal häufiger einen tödlichen Infarkt bekamen als solche, die dies nicht glaubten - unabhängig von Risikofaktoren.
Im engeren Sinne spricht man vom Nocebo-Effekt (lat. nocere: schaden) aber meist dann, wenn einem Patienten ein wirkstoffloses Präparat verabreicht wird, und dieser dennoch negative, krank machende Wirkungen aus dieser Einnahme verspürt - der Nocebo-Effekt ist also das Gegenteil des positiven Placebo- Effekts.
Manchmal reicht ein Blick auf den Beipackzettel, um solche unerwünschten Wirkungen auszulösen. "In einem solchen Beipackzettel steht ja auch jede beobachtete Nebenwirkung, die in den Zulassungsstudien jemals am Patienten aufgetreten ist", so der Pharmakologe Professor Martin Hohenegger von der Medizinischen Universität Wien. Dies sei auch notwendig, schon aus haftungsrechtlichen Gründen.
Wie häufig treten unerwünschte Wirkungen von Medikamenten tatsächlich auf? Hohenegger: "Eine unerwünschte Wirkung tritt häufig auf, wenn 3 von 100 Patienten in Zulassungsstudien diese Nebenwirkung gezeigt haben, bei 3 von 1000 Patienten ist es eine seltene, bei 3 von einer Million eine sehr seltene Nebenwirkung."
Der Nocebo-Effekt ist aber natürlich nicht nur vom Lesen des Beipackzettels abhängig. Vielmehr sind eine ganze Reihe von Faktoren bedeutsam: "Eine negative Erwartungshaltung des Patienten, eine vorangegangene Konditionierung, etwa durch starke unerwünschte Wirkungen anderer Medikamente in der Vergangenheit oder auch ein gestörtes Arzt-Patienten-Verhältnis, können einen Nocebo-Effekt auslösen", so der Chemiker Dr. Walter Gessner vom Unternehmen Bayer.
"Ärzte können aber viel tun, um den Nocebo-Effekt abzufangen", weiß Hohenegger: Schon bei der Verordnung des Medikaments sollten Ärzte auf die häufigsten unerwünschten Wirkungen hinweisen. "Wenn der Arzt dem Patienten sagt, er werde möglicherweise in den ersten Wochen der Einnahme seines Medikaments Husten und einen trockenen Mund haben, diese Nebenwirkungen werden allerdings nach spätestens 14 Tagen nachlassen, wird der Patient, sollte es tatsächlich zu diesen Nebenwirkungen kommen, nicht verunsichert sein."
Aufklärung heißt also das Zauberwort und der Hinweis darauf, was Begriffe wie "häufig", und "selten" im Beipackzettel bedeuten.
Quelle: Ärzte Zeitung 15.02.2008
Unser Kommentar: Anstatt die therapeutischen Möglichkeiten der Suggestion in der Medizin zu beschreiben, wird hier gewarnt und Angst geschürt, bloss nicht die falschen Worte zu benutzen.
Fakt ist: Wenn ein Patient sich von den Informationen des Beipackzettels seines einzunehmenden Medikamentes so beeinflussen lässt, dass er die Symptome der unerwünschten Arzneiwirkungen bei sich verspürt, dann hat er schon vor Einnahme eine UNBEWUSSTE Bereitschaft besessen, diese zu entwickeln. Diese Bereitschaft hat eine UNBEWUSSTE psychische Funktion, die ihn wahrscheinlich- wie seine Krankheit selbst - psychisch stabilisieren soll. Krankheit und Krankheitssymptome sind also häufig der UNBEWUSSTE Versuch, etwas Gutes bewirken zu wollen.
Diese Funktion erweist sich in der Therapie als unüberwindbarer "Widerstand" - wenn der Patient nicht eine BEWUSSTE Entscheidung trifft, sich in seiner persönlichen Entwicklung voranschreiten zu wollen, d.h. mit seinem UNBEWUSSTEN zu kooperieren und den Widerstand für sich als reife Persönlichkeit zu nutzen.
Auch die Entscheidung, Selbstorganisatorische Hypnose erfolgreich anwenden zu wollen, bedarf einer solchen BEWUSSTEN und UNBEWUSSTEN Erlaubnis.
Ihre zaubergleiche Wirkung kann sie deshalb nur entfalten, wenn Sie sich auf sich selbst einlassen.
In einer Studie aus dem Jahr 1992 kam heraus, dass Frauen, die glaubten, sie würden eher als andere einen Herzinfarkt bekommen, 3,7- mal häufiger einen tödlichen Infarkt bekamen als solche, die dies nicht glaubten - unabhängig von Risikofaktoren.
Im engeren Sinne spricht man vom Nocebo-Effekt (lat. nocere: schaden) aber meist dann, wenn einem Patienten ein wirkstoffloses Präparat verabreicht wird, und dieser dennoch negative, krank machende Wirkungen aus dieser Einnahme verspürt - der Nocebo-Effekt ist also das Gegenteil des positiven Placebo- Effekts.
Manchmal reicht ein Blick auf den Beipackzettel, um solche unerwünschten Wirkungen auszulösen. "In einem solchen Beipackzettel steht ja auch jede beobachtete Nebenwirkung, die in den Zulassungsstudien jemals am Patienten aufgetreten ist", so der Pharmakologe Professor Martin Hohenegger von der Medizinischen Universität Wien. Dies sei auch notwendig, schon aus haftungsrechtlichen Gründen.
Wie häufig treten unerwünschte Wirkungen von Medikamenten tatsächlich auf? Hohenegger: "Eine unerwünschte Wirkung tritt häufig auf, wenn 3 von 100 Patienten in Zulassungsstudien diese Nebenwirkung gezeigt haben, bei 3 von 1000 Patienten ist es eine seltene, bei 3 von einer Million eine sehr seltene Nebenwirkung."
Der Nocebo-Effekt ist aber natürlich nicht nur vom Lesen des Beipackzettels abhängig. Vielmehr sind eine ganze Reihe von Faktoren bedeutsam: "Eine negative Erwartungshaltung des Patienten, eine vorangegangene Konditionierung, etwa durch starke unerwünschte Wirkungen anderer Medikamente in der Vergangenheit oder auch ein gestörtes Arzt-Patienten-Verhältnis, können einen Nocebo-Effekt auslösen", so der Chemiker Dr. Walter Gessner vom Unternehmen Bayer.
"Ärzte können aber viel tun, um den Nocebo-Effekt abzufangen", weiß Hohenegger: Schon bei der Verordnung des Medikaments sollten Ärzte auf die häufigsten unerwünschten Wirkungen hinweisen. "Wenn der Arzt dem Patienten sagt, er werde möglicherweise in den ersten Wochen der Einnahme seines Medikaments Husten und einen trockenen Mund haben, diese Nebenwirkungen werden allerdings nach spätestens 14 Tagen nachlassen, wird der Patient, sollte es tatsächlich zu diesen Nebenwirkungen kommen, nicht verunsichert sein."
Aufklärung heißt also das Zauberwort und der Hinweis darauf, was Begriffe wie "häufig", und "selten" im Beipackzettel bedeuten.
Quelle: Ärzte Zeitung 15.02.2008
Unser Kommentar: Anstatt die therapeutischen Möglichkeiten der Suggestion in der Medizin zu beschreiben, wird hier gewarnt und Angst geschürt, bloss nicht die falschen Worte zu benutzen.
Fakt ist: Wenn ein Patient sich von den Informationen des Beipackzettels seines einzunehmenden Medikamentes so beeinflussen lässt, dass er die Symptome der unerwünschten Arzneiwirkungen bei sich verspürt, dann hat er schon vor Einnahme eine UNBEWUSSTE Bereitschaft besessen, diese zu entwickeln. Diese Bereitschaft hat eine UNBEWUSSTE psychische Funktion, die ihn wahrscheinlich- wie seine Krankheit selbst - psychisch stabilisieren soll. Krankheit und Krankheitssymptome sind also häufig der UNBEWUSSTE Versuch, etwas Gutes bewirken zu wollen.
Diese Funktion erweist sich in der Therapie als unüberwindbarer "Widerstand" - wenn der Patient nicht eine BEWUSSTE Entscheidung trifft, sich in seiner persönlichen Entwicklung voranschreiten zu wollen, d.h. mit seinem UNBEWUSSTEN zu kooperieren und den Widerstand für sich als reife Persönlichkeit zu nutzen.
Auch die Entscheidung, Selbstorganisatorische Hypnose erfolgreich anwenden zu wollen, bedarf einer solchen BEWUSSTEN und UNBEWUSSTEN Erlaubnis.
Ihre zaubergleiche Wirkung kann sie deshalb nur entfalten, wenn Sie sich auf sich selbst einlassen.