Hohe Placebo-Ansprechraten sind in Studien ein Problem

Für Patienten mit neuropathischen Schmerzen ist Ansprechen auf Placebo typisch / Erwartungen der Patienten beeinflussen die Ergebnisse

GLASGOW (rfa). Die Mechanismen des Placebo-Effekts sind bis heute nur unzureichend geklärt. Während dieses psychobiologische Phänomen in der Praxis sehr willkommen ist, ist es bei der klinischen Prüfung von Medikamenten eher hinderlich.
Das gilt ganz besonders für Patientengruppen, für die ein ausgeprägter Placebo-Effekt typisch ist, etwa Patienten mit neuropathischen Schmerzen (entstehen durch Schädigung von Nerven wie Amputation, Gifte, usw.).

"Wenn die Placebo-Ansprechraten in Studien bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen niedrig waren, waren die Ergebnisse für das geprüfte Medikament eher positiv", so Professor Ralf Baron aus Kiel bei einem von Pfizer unterstützten Symposium beim Welt-Schmerz-Kongress in Glasgow.
Beim Placebo-Effekt muss unterschieden werden zwischen den insgesamt in der Placebo-Gruppe erzielten Verbesserungen und dem echten Placebo-Ansprechen, das durch psychosoziale / psychobiologische Faktoren erklärt wird, erläuterte Professor Fabrizio Benedetti aus Turin. Während erstere zum Beispiel auf dem natürlichen Verlauf der Erkrankung und spontanen Remissionen, auf falschen Angaben von Patienten oder auch auf Wirkungen von dem Arzt nicht bekannten Kointerventionen beruhen können, tragen zum echten Placebo-Effekt die Erwartungen des Patienten, Ängstlichkeit oder Konditionierungen bei. "Das Ausmaß des Placebo-Effekts kann durch Lernen beeinflusst werden", betonte Benedetti.
Wie sehr die Erwartungen der Patienten an eine Therapie die Ergebnisse beeinflussen, verdeutlichen Daten zu Pregabalin, die vor und nach Einführung der Substanz gewonnen wurden. In einer Studie vor der Einführung des Medikamentes betrug die Placebo-Ansprechrate (mindestens 50-prozentige Schmerzlinderung) 23 Prozent, in einer Studie nach der Einführung 35 Prozent. "Der Zeitpunkt einer Studie kann das Ergebnis beeinflussen", sagte Baron.
Wie kann in Studien der Placebo-Einfluss verringert werden? In der Diskussion ist eine vorausgehende reine Placebo-Run-in-Phase mit anschließendem Ausschluss der positiv reagierenden Patienten. Eine Alternative wäre eine aktive Run-in-Phase vor der Randomisierung, um Patienten auszuschließen, die vermutlich nicht auf die Therapie ansprechen. Quelle: Ärzte Zeitung 14.11.2008

Kommentar: Wie sie es auch drehen werden: Bei Studien am Menschen wird immer sein Gehirn so schrecklich individuell dazwischen funken, seine Erfahrungen, seine inneren Bilder, seine Ängste und Erwartungshaltungen. Warum also nicht gleich das Gehirn benutzen, um gesund zu werden? Selbstorganisatorische Hypnose ist frei von krankmachenden Nebenwirkungen, macht nicht abhängig, sondern unabhängig und immer sicherer.