Vorteil für Krebspatienten belegt - Psychotherapie verlängert Leben

KIEL/LEXINGTON - Viel Effekt für wenig Geld, so formuliert ein US-Kollege salopp, was Psychotherapie bei Krebskranken erreichen kann. Zehnjahresdaten zeigen, dass die seelische Unterstützung einen klaren Überlebensvorteil bringt.

Eine Arbeitsgruppe der Uniklinik Kiel hatte in einer Studie Daten von 271 Patienten mit Neoplasien im Bereich von Ösophagus, Magen, Darm, Leber, Galle und Pankreas über eine Dekade hinweg gesammelt. Randomisiert teilte man die Patienten in zwei Gruppen ein: "Standardbetreuung" und "zusätzliche psychotherapeutische Unterstützung". Am Ende des Studienzeitraums fand sich ein frappierender Unterschied:
21,3 % der psychologisch Gestärkten waren noch am Leben, aber nur 9,6 % derer, denen keine Seelenprofis zur Seite gestanden hatten.
Bereits vor rund 20 Jahren hatte der amerikanische Psychiater David Spiegel bei Frauen mit metastasiertem Brustkrebs über die lebensverlängernde Wirkung der Psychotherapie berichtet. Seine Studie war allerdings von anderen Kollegen auf Grund methodischer Mängel zerpflückt worden. Die Daten diverser weiterer Untersuchungen zum Thema lieferten widersprüchliche Informationen.

Zehn Lebensjahre für acht Stunden Therapie

In der aktuellen Kieler Studie Von Professor Dr. phil. THOMAS KÜCHLER und Mitarbeitern profitierten vor allem Patienten in frühen Krebsstadien ohne ausgedehnte Metastasierung von der Psychointervention, wobei auch diese Arbeit vor methodischen Schwächen nicht gefeit ist. Dennoch macht das Ergebnis Mut. Zumal für wenig Aufwand ein enormer Nutzen zu erzielen ist, wie Dr. phil. MICHAEL ANDRYKOWSKI von der University of Kentucky in seinem Kommentar schreibt. Etwa acht Stunden Therapiezeit pro Patient - das kostet nicht viel, nicht einmal 1000 $ für eine verdoppelte Chance, zehn Jahre zu überleben: Kaum eine andere Therapie biete "this big a bang for so few bucks". CG

Michael A. Andrykowski et al., Journal of Clinical Onkology 2007; 25: 2644-2645
Quelle: Medical tribune 25.01.2008