Stress, Krankheit oder Immundefekt: Warum hat ein Patient immer wieder Infekte?

Kaum ist ein grippaler Infekt überstanden, kündigt sich schon der nächste an: Gerade in der kalten Jahreszeit leiden Patienten an vermehrter Infektanfälligkeit. Warum macht die Abwehr bei ihnen schlapp? Wie können Sie sich gegen wiederkehrende Infektionen wappnen?

Infektanfälligkeit beschreibt einen Zustand, der unter denselben Umständen häufiger zu Infektionen führt als bei Gesunden, so Prof. Hanns Wolf Baenkler, Erlangen. Wie sich der Infekt manifestiert, und welche Erreger dahinter stecken, ist aber individuell sehr unterschiedlich.

Rezidivierende Infekte treten überwiegend an Grenzflächen auf, also im Respirationstrakt, im Magen-Darm-Trakt oder im Urogenitalsystem. Bei den Betroffenen müssen immer definierte Störungen des Immunsytems diskutiert und durch entsprechende Blutuntersuchungen abgeklärt werden. Tatsächlich besteht aber nur in weniger als 1% der Fälle eine definierte immunologische Erkrankung, so Baenkler.

Krankheit und falscher Lebensstil als Auslöser
Neben der anlagebedingten und deshalb schon im Kindesalter auftretenden Infektanfälligkeit gibt es auch eine erworbene Infektanfälligkeit. "Hier spielen Schadensfaktoren, die die Leistungsfähigkeit der Abwehr beeinträchtigen, die entscheidende Rolle", so Baenkler. Dazu gehören schwere Leber- oder Nierenerkrankungen oder Resorptionsstörungen im Darm. Aber auch die Lebensführung kann die Abwehr belasten: Wenn etwa eine Mangelernährung vorliegt, die Flüssigkeitszufuhr unzureichend ist oder berufliche und soziale Anforderungen zu Erschöpfungszuständen führen.

Keine Prophylaxe mit Antibiotika
Daraus ergibt sich die therapeutische Empfehlung, entsprechende psycho-soziale Belastungen - soweit möglich abzubauen. Auch durch eine bewusst gesunde Lebensführung kann die Infektneigung reduziert werden, zum Beispiel indem übermäßige körperliche Aktivität und unregelmäßiger Schlaf vermieden werden. Günstig wirkt sich auch eine ausgewogene Ernähung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr aus. Starke Temperaturschwankungen sollten vermieden werden.

"Keinesfalls sinnvoll ist die prophylaktische Gabe von Antibiotika", so Prof. Josef-Peter Guggenbichler, Erlangen. Weil sie die Ausbildung von Resistenzen fördern, können sie den Verlauf von Infektionen sogar ungünstig beeinflussen.

Abhilfe aus der Natur
Sinnvoller seien Phytopharmaka, zum Beispiel ätherische Öle bei rezidivierenden (wiederkehrende) Infekten der Luftwege. In entsprechenden Studien hat man nachweisen können, so Guggenbichler, dass sie die Zilien- (Flimmerhärchen-)schlagfrequenz der Epithelien deutlich erhöhen. Andere Phytopharmaka hemmen die Adhäsion ("Andocken") von Bakterien an den Schleimhäuten. Auch scheinen pflanzliche Heilmittel selbst antimikrobielle Effekte zu entfalten und die antimikrobielle Wirksamkeit von Antibiotika zu unterstützen.
Bei rezidivierenden Harnwegsinfekten sind nach Meinung von Guggenbichler Preiselbeerextrate sinnvoll. Immer wiederkehrende Magen-Darm-Infektionen könne durch Karottenextrakte oder Pektine vorgebeugt werden. Laut Guggenbichler können diese pflanzlichen Mittel verhindern, dass die Besiedelung der Schleimhaut mit einem Erreger zu einer chronisch schwelenden oder zu rezidivierenden Infektionen führt.

DR. MED. PETER STIEFELHAGEN

Quelle: Pressekonferenz im Rahmen der Medica, Düsseldorf, 5. November 2006, MMW-Fortschr. Med. Nr. 8 / 2007 (149. Jg.)