Gehirn und Schmerz überlisten

Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass Schmerzen ganzheitlich therapiert werden müssen. Ein Durchbruch bei der Bekämpfung von hartnäckigen Phantomschmerzen – Schmerzen in amputierten Gliedmaßen – gelang an der Universität Bochum mit einem erstaunlichen Verfahren: bei der Spiegeltherapie beobachtet ein einarmiger Patient seinen gesunden Arm im Spiegel und führt damit Übungen durch. Dem Gehirn wird wider besseres Wissen suggeriert, dass sich die fehlenden Gliedmaßen bewegen. So lässt sich der Schmerz überlisten: Das Gehirn hört auf, die fehlenden Nervenreize durch Schmerzsignale zu ersetzen, der Phantomschmerz verschwindet – für einige Zeit oder auch dauerhaft.
Und nicht zuletzt spielt unsere Erwartungshaltung eine Rolle beim Schmerzempfinden. Wer Angst vor starken Schmerzen hat, wird sie auch haben – wer glaubt, mit leichten Schmerzen davonzukommen, ist unempfindlicher. Das spricht dafür, dass individuelle Schmerzempfinden der Patienten und ihre Ängste im Behandlungsplan ernst zu nehmen.
Quelle: 3sat, Filmkommentare zu „Genug gelitten – der Umgang mit dem Schmerz“ 26.07.2007