"Der Schaden von Früherkennungs-Untersuchungen ist erheblich"

Nach dem aktuellen Gesetzentwurf zur Gesundheitsreform sollen die Versicherten gegenüber der Versichertengemeinschaft zu "gesundheitsbewußtem" Verhalten zwangsverpflichtet werden. "Vorsorgemuffel" werden bestraft. Der Enthusiasmus für den geplanten Vorsorgezwang beruht auf der irrigen Annahme, dass Prävention immer gut ist und billiger als Therapie.
Es wird zudem übersehen, dass Screening häufig keine Vorsorge ist, sondern Früherkennung, bei der die Krankheit nicht verhindert, sondern der Zeitpunkt der Diagnose vorverlegt wird. Seltener werden Vorstufen erfasst.
Beispiel Mammographie-Screening: Von 2000 gescreenten Frauen der Altersgruppe 50 bis 69 Jahre stirbt in 10 Jahren eine Frau weniger an Brustkrebs. Bei 10 dieser Frauen wird jedoch Brustkrebs diagnostiziert, der ohne Screening zu Lebzeiten nie in Erscheinung getreten wäre (Überdiagnose).
Jede 5. Frau erhält im Verlaufe von 10 Jahren (5 Screening-Runden) mindestens einen falsch positiven Befund mit den dadurch verursachten psychischen Belastungen. Krebssterblichkeit insgesamt und Gesamtmortalität nehmen nicht ab. Der Schaden durch das Screening ist daher erheblich. Quelle: arznei-telegramm 12/2006.