Nach der Amputation: Den Phantomschmerz mit Spiegel lindern

WASHINGTON - Nach einer Gliedmaßenamputation leiden mindestens 90 % der Patienten unter Phantomschmerzen. Nun bestätigt eine Studie: Die Spiegeltherapie wirkt lindernd.
Wie kann ein Körperteil schmerzen, das nicht mehr da ist? Möglicherweise beruhen Phantomschmerzen auf einer Diskrepanz zwischen visuellem Feedback und propriozeptiver Repräsentation der fehlenden Gliedmaße. Demnach könnte die Illusion, die amputierte Extremität würde sich bewegen, die Schmerzen lindern.
Ausgehend von dieser Überlegung, startete das Team um BRENDA L. CHAN vom Walter Reed Army Medical Center Washington eine Studie mit 18 Fuß- oder Unterschenkelamputierten. Die Patienten wurden in drei Gruppen eingeteilt: Die Teilnehmer der ersten Gruppe sahen die heile Gliedmaße in einem Spiegel. Sie bewegten die amputierte Extremität und betrachteten dabei das gesunde Bein.
Die Teilnehmer von Gruppe 2 saßen ebenfalls vor einem Spiegel, der allerdings mit einem undurchsichtigen Tuch bedeckt war. Sie sollten beide Beine bewegen. Gruppe 3 stellte sich mit geschlossenen Augen vor, Bewegungen mit dem fehlenden Körperteil durchzuführen. Alle Teilnehmer übten vier Wochen lang jeden Tag 15 Minuten. Am Ende waren die Schmerzen in der Spiegelgruppe im Vergleich zu den beiden anderen signifikant zurückgegangen. Der Erfolg könnte auf der Aktivierung von Spiegelneuronen in der dem amputierten Glied gegenüberliegenden Hirnhälfte beruhen. Diese Neurone feuern bei einer Bewegung - aber auch, wenn man die Aktivitäten bei einem anderen beobachtet. AW
Brenda L. Chan et al., N Engl J Med 2007: 357: 2206-2207
Quelle: Medical Tribune 01.02.2008

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