Die Ärzte sparen, doch der Arzneibedarf nimmt zu

Verordnungsanalyse zeigt, warum die Medikamentenausgaben der Kassen steigen

BERLIN - Die GKV-Arzneiausgaben stiegen 2006 nur um nominal 2 %, wobei der zunehmende Arzneiverbrauch nahezu vollständig durch Arzneipreissenkungen und preisgünstigere ärztliche Verordnungen kompensiert wurde. Das Bild der Arzneiversorgung 2006 schlüsselt das Berliner IGES-Institut im "Arzneimittel-Atlas" wie folgt auf:

- Der Anstieg um 2 % oder 516 Mio. € auf knapp 25,9 Mrd. € war eine deutlich geringere Zunahme als die rund 16 % im Jahr 2005.

- Dabei betrugen die Apotheken-Umsätze zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) 2006 27,1 Mrd. €, das waren etwa 1,5 % oder 563 Mio. € mehr als im Jahr zuvor. Für die GKV entlastend wirkten sich mit 285 Mio. € (+3 %) jedoch zusätzliche Rabatte von Herstellern/ Apotheken aus, vor allem in folge der gesetzlichen Herstellerrabatte auf Generika. 171 Mio. € geringere Patientenzuzahlungen sowie sonstige Faktoren in der Größenordnung von 67 Mio. € belasteten dagegen die GKV-Konten.

- Für den Apotheken-Mehrumsatz in Höhe von 563 Mio. € im GKV-Bereich waren überwiegend Verbrauchssteigerungen verantwortlich: Die Patienten haben 2006 im Vergleich zum Vorjahr mehr Arzneimittel im Wert von 1,204 Mrd. € verbraucht, wobei Volkskrankheiten wie Hypertonie im Vordergrund standen, auf die knapp ein Fünftel der gesamten verbrauchsbedingten Umsatzsteigerungen entfielen.



Mehr Patienten mit Medikamenten versorgt

- Alleine in vier großen Indikationsbereichen wurden 2006 insgesamt rund 2,5 Mio. mehr Patienten mit Medikamenten versorgt als im Vorjahr: Antihypertensiva (+ 1,18 Mio. Patienten), Lipidsenker (+0,88 Mio.), Säurehemmer (+0,4 Mio.) sowie Antidiabetika (+0,14 Mio. Patienten). Bei den ersten drei genannten Arzneigruppen rechnet IGES auch in den nächsten Jahren mit kräftigen Steigerungsraten: Epidemiologische Daten deuten darauf hin, dass hier noch immer ungedeckter Behandlungsbedarf in der Größenordnung von jeweils etwa 20 % besteht.

- Strukturelle Verschiebungen zugunsten teurerer innovativer Arzneimittel ließen die Umsätze 2006 um weitere 504 Mio. € ansteigen. Hier handelte es sich vor allem um Innovationen zur Behandlung von neurologisch-psychiatrischen Erkrankungen, Krebs, rheumatoider Arthritis etc.

- Teilweise kompensiert wurden der 1,2-Mrd.-€-Mehrverbrauch und die 504 Mio. € ausmachende Innovationskomponente 2006 vor allem durch Arzneimittelpreissenkungen in Höhe von 555 Mio. € sowie durch die ärztliche Verordnung preisgünstigerer Medikamente (mehr Generika, höhere Wirkstärke, größere Packungen etc.) in der Größenordnung von insgesamt 595 Mio. €. khb

Quelle: Medical Tribune 10.08.2007