Verlaufsstudie über 17 Jahre zeigt: Streitunterdrückung in der Paarbeziehung verkürzt die Lebenserwartung

Paare, in denen beide ihre Wut oder ihren Ärger über den Partner unterdrücken, wenn sie sich angegriffen oder gekränkt fühlen, haben eine kürzere Lebenserwartung als andere Paare, die sich in solchen Situationen streiten und ihre Konflikte offen austragen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Universität von Michigan, in der die Wissenschaftler 192 Paare über einen Zeitraum von 17 Jahren wissenschaftlich begleiteten. Die Paare wurden dabei einer von vier Gruppen zugeordnet: Beide Partner drücken ihre Gefühle, auch negative und aggressive Emotionen gegenüber dem anderen, offen aus. In der zweiten Gruppe und dritten Gruppe waren Paare, bei denen ein Partner dies auslebt, während der andere Ärger und Enttäuschung in sich hineinfrisst. In der vierten Gruppe schließlich war das Unterdrücken und Verdrängen negativer Emotionen beiderseits gängige Verhaltensnorm.
Von den 192 untersuchten Paaren waren 26 Paare in der letzten Gruppe, in der beide Partner Gefühls-Verdränger waren. In dieser Gruppe gab es im 17jährigen Untersuchungszeitraum insgesamt 13 Todesfälle. Dabei stellte man innerhalb dieser Gruppe fest, dass bei etwa jedem vierten Paar (23%) beide Partner innerhalb der 17 Jahre verstarben. Bei den übrigen 166 Paaren stellte man insgesamt 41 Todesfälle fest. In diesen drei Gruppen fand man jedoch Todesfälle für beide Partner nur bei 6%.
In der Studie wurde eine große Zahl von anderen Einflussbedingungen im Rahmen multivariater Analysen statistisch kontrolliert, darunter das Alter, Rauchen, Körpergewicht, Blutdruck, bronchiale Probleme, Atmungsbeschwerden, Herz-Kreislauf-Risiken.
Unter dem Strich stellte sich dann heraus, dass das Sterberisiko doppelt so hoch ausfiel, wenn ein Partner oder beide ihre Gefühle nicht offen auslebten, sondern verdrängten oder in sich hineinfraßen.
Die Studie berücksichtigte dabei in den Datenerhebungen und Analysen nur solche Fälle, in denen verbale Angriffe oder Kränkungen vom Partner als unfair oder unnötig erlebt wurden. Alle anderen Fälle, in denen ein Partner das Verhalten des anderen als heftige, aber berechtigte Gefühlsäußerung wahrnahm, wurden für die generelle Einstufung der "Streitlust" nicht berücksichtigt. Die Wissenschaftler räumen in der Diskussion ihrer Befunde ein, dass die Stichprobengröße ihrer Studie noch sehr klein ist, so dass die Ergebnisse nur als vorläufig betrachtet werden dürfen. Sie planen jetzt allerdings eine Fortsetzung der Studie über einen Zeitraum von 30 Jahren, so dass die Todesfälle sich voraussichtlich verdoppeln werden und damit die statistische Basis für ihre Ergebnisse zuverlässiger sein wird.

Die Studie wird in der Januar-2008-Ausgabe des "Journal of Family Communication" veröffentlicht werden: "Ernest Harburg u.a.: Marital Pair Anger Coping Types May Act as an Entity to Affect Mortality: Preliminary Findings from a Prospective Study (Tecumseh, Michigan, 1971-88)"

Eine Pressemitteilung der University of Michigan informiert über die wichtigsten Befunde: A good fight with your spouse may be good for your health, research suggests
Quelle: forum-gesundheitspolitik.de 23.01.2008