Stress-Blocker lässt Haare sprießen

Kalifornische Forscher haben entdeckt, dass die Blockade eines Stress-Hormons auf kahlen Stellen Haare wieder wachsen lässt.

Eigentlich wollte das Team um Dr. Million Mulugeta aus Los Angeles herausfinden, wie sich Stress auf den Magen-Darm-Trakt auswirkt. Dafür untersuchten sie Mäuse, die genetisch so verändert sind, dass sie das Stress-Hormon CRF (corticotropin-releasing-factor) übermäßig ausschütten. Diese genetische Veränderung führt allerdings auch dazu, dass diese Tiere verstärkt Haarausfall haben. Die Stress-Mäuse wurden mit einem Hemmstoff des CRF-Hormons, dem Astressin-B, behandelt. Überraschenderweise bekamen die Tiere, die den Stoff erhielten, wieder ein dichtes Fell.
Weil chronischer Stress auch zum Haarausfall führen kann, wollten die Forscher nun prüfen, ob sich die Alopezie durch den Antagonisten wirklich aufhalten oder sogar rückgängig machen lässt. Tatsächlich hatten die Tiere mit starkem Haarverlust - vor allem auf dem Rücken - nach täglicher intraperitonealer oder subkutaner Injektionen des Peptids Astressin-B an fünf aufeinanderfolgenden Tagen vier Wochen nach der letzten Injektion wieder ein dichtes Fell. Und das blieb auch so für mindestens 3-4 weitere Monate ohne weitere Behandlung.
Die Wissenschaftler vermuten, dass die Substanz nicht nur lokal, sondern auch systemisch wirkt, und zwar auf die Hypophyse und die Nebennieren. Tatsächlich führte bei den Versuchstieren mit Alopezie auch die Entfernung der Nebennieren zu erneutem Haarwuchs. Offenbar unterdrückt Astressin-B wirkungsvoll wie für Stress bedeutende ACTH-Cortisol-Achse, also die Kontrolle der Cortisol-Ausschüttung durch das adrenokortikotrope Hormon ACTH, das durch das Stresshormon CRH stimuliert wird.

Quelle: Der Privatarzt Dermatologie, Ausgabe 1, März 2011