Auto-Vielfahrer stark gefährdet

WIEN - Pkw-fahrer sind nicht nur durch Unfälle stark gefährdet. Zahlreiche andere Faktoren bedrohen die Gesundheit von Chauffeuren und Fahrzeuginsassen. Schadstoffe, Tabakrauch, Lärm, Strahlen ...

Das Innere des Autos gehört zu den am meisten schadstoffbelasteten Innenräumen, schreibt der Umweltmediziner Dipl. Ing. Dr. Hans-Peter Hutter vom Institut für Umwelthygiene an der Medizinischen Fakultät Wien. Nirgendwo sei die Luftqualität so schlecht wie auf der Fahrbahn. Direkt aus dem Auspuff des Vordermanns dringen die Abgase in den Fahrgastraum - nicht verwunderlich daher, dass Berufskraftfahrer ein deutlich erhöhtes Lungenkrebsrisiko aufweisen.
Aber nicht nur Abgase verpesten die Luft im Auto. Besonders bei Neuwagen oder in Autos, die länger in der Sonne gestanden haben, findet man vermehrt flüchtige Kohlenwasserstoffe (VOC) und Phthalate, die aus Materialien im Innenraum freigesetzt werden. Die Konzentration kann hier 20-mal so hoch sein wie in stark belasteten Wohnräumen, warnt Dr. Hutter. Höhere VOC-Konzentrationen können u.a. Müdigkeit und Kopfschmerzen hervorrufen und die Reaktionszeit beeinträchtigen.
Als weitere problematische Stoffgruppe nannte der Umweltmediziner Riech- und Aromastoffe für den Gebrauch in Pkw's. Hier drohen Allergien, ZNS-Effekte, Haut- und Schleimhaut-Irritationen sowie eventuell kanzerogene Wirkung. (...) Der Gehalt an Kohlenmonoxid kann beim rauchenden Autofahrer so hohe Werte erreichen, dass die Reaktionsgeschwindigkeit messbar abnimmt. (...) Auf Handys - ob am Ohr oder als Freisprechanlage - sollte man im Auto verzichten, rät Hutter. Zum einen lenkt jedes Telefongespräch ab und erhöht das Unfallrisiko. Zum anderen ist die Belastung durch elektromagnetische Strahlen im Auto besonders hoch. Karosserie und Verglasung wirken wie eine Barriere für die Funkverbindung, die das Handy automatisch durch höhere Sendeleistung überwindet. Die Absorption der Strahlung im Gehirn ist dadurch deutlich erhöht. Besonders Kinder sollten daher im Auto nicht telefonieren.
H.-P. Hutter et al., int. prax. 2006; 46; 921-928 Quelle: Medical Tribune, 42. Jahrgang, Nr. 4, 26.01.2007