Hilft Verhaltenstherapie gegen Ängste vor Umweltverschmutzung?

Die umstrittene so genannte "idiopathische Umweltunverträglichkeit" wurde erneut von schwedischen Arbeits- und Umweltmedizinern im Hinblick auf die Rolle chemischer Noxen und Elektrosmog untersucht.
In den letzten Jahrzehnten gewannen Probleme der Umweltverschmutzung im Hinblick auf körperliche und psychische Auswirkungen beim Menschen hohe Aufmerksamkeit. Neurotoxische Wirkungen von Chemikalien und Beeinträchtigung durch elektromagnetische Felder wurden vielfach angeschuldigt. Man bezeichnet heute medizinisch nicht erklärbare Störungen in Zusammenhang mit Umweltfaktoren als Idiopathic Environmental Intolerance (lEI), zu deutsch "unerklärliche Umweltunverträglichkeit" .
Schwedische Arbeits- und Umweltmediziner untersuchten die Problematik erneut an 84 Probanden der allgemeinen Bevölkerung, die sich beeinträchtigt fühlten durch Chemikalien bzw. Gerüche, durch elektromagnetische Felder oder durch beides. Alle waren jedoch objektiv gesund und voll aktiv am Arbeitsplatz.
Ihre Befunde wurden verglichen mit denen von 54 Kontrollpersonen ohne Merkmale von Umweltunverträglichkeit.
Die Persönlichkeit der Probanden war durch erhöhte Ängstlichkeit und neurotische Störungen belastet, die vor allem in Zusammenhang mit Elektrosmog zu bringen waren. Auch psychischer Stress und subjektive Gesundheitsprobleme standen dazu in Beziehung. Das Ausmaß der Beeinträchtigung durch Elektrosmog, durch Chemikalien bzw. durch beide Noxen stand in Beziehung zu geringer Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz, zu größerer Müdigkeit nach der Arbeit und erhöhtem Bedürfnis für Erholung.

Die Autoren schlagen verhaltenstherapeutische Methoden zur Desensibilisierung vor. Dazu müssten allerdings erst die Ergebnisse von Therapiestudien verfügbar sein. (WG)

Österberg K et al.: Personality, mental distress, and subjective health complaints among persons with environmental annoyance. Hum Exp Toxicol 26 (2007) 231-241 Quelle: Praxis-Depesche 5/2008